Wildnisschutz in Deutschland ?

 

Wildnisschutz
Als Wildnisentwicklungsflächen bieten sich zum Beispiel ehemalige Truppenübungsplätze an.
Deutschland braucht mehr Wildnis!

Im Rahmen unserer Initiative "Naturschutz ist erfolgreich…" möchten wir Ihnen mit den Infoblättern "Wildnisschutz" und "Naturschutz in der Kulturlandschaft" einen Überblick über die wichtigsten Ziele des Naturschutzes in Deutschland geben und einige häufig gestellte Fragen beantworten. Sie richten sich ausdrücklich nicht an die Naturschutzszene, sondern an interessierte Bürger, Politiker und Medienvertreter und vermitteln die Positionen der Gregor Louisoder Umweltstiftung.

Zunächst einmal handelt es sich bei dem Wort Naturschutz um einen Sammelbegriff, unter dem alle möglichen Aktivitäten und Strategien zusammengefasst werden. Er wird von verschiedenen Naturnutzern (Jäger, Fischer, Landwirte, Förster) für ihre Zwecke interpretiert. Außerdem wird Naturschutz oft mit den Zielen des technischen Umweltschutzes verwechselt. Dies führt immer wieder zu Irritationen, da so die Ziele des "Naturschutzes" unklar erscheinen oder sich sogar scheinbar widersprechen können.

Insbesondere verfolgt der Naturschutz zwei unterschiedliche Ansätze für die Kulturlandschaft und Wildnisgebiete: Auf von Menschen besiedelten und bewirtschafteten Flächen (Kulturlandschaft) gelten andere Ziele als in Gebieten, in denen die Natur Vorrang hat und sich ungestört entwickeln soll (Wildnis).

Deutschland braucht mehr Wildnis


In der Vergangenheit wurde der Schutz von Gebieten mit ungestörter Naturentwikklung im deutschen Naturschutz eher vernachlässigt - bis auf wenige kleine Bereiche der Nationalparke gab es keine Flächen mit Wildnisentwicklung, und die staatlichen und privaten Naturschutzorganisationen konzentrierten sich eher auf den Schutz der Kulturlandschaft (siehe "Naturschutz in der Kulturlandschaft"). Dies hat sich in den letzten Jahren geändert: Mehr Wildnis ist erforderlich - diese Erkenntnis setzt sich auch im deutschen Naturschutz immer mehr durch und bedeutet, der natürlichen Entwicklung freien Lauf zu lassen.

Gründe für den Schutz natürlicher Lebensräume mit vom Menschen unbeeinflusster Entwicklung (Wildnis):

 

  • Sicherung der ursprünglichen Lebensräume der einheimischen Tier- und Pflanzenarten, insbesondere der heimischen Grosstiere Rothirsch, Elch, Biber, Bär, Wolf und Luchs.
  • In Wildnisgebieten können natürliche Prozesse wie Hochwasser (in unregulierten Flussauen) oder Lawinen (in Bergwäldern mit Urwaldentwicklung) ohne Gefahr für den Menschen oder wirtschaftliche Schäden ablaufen.
  • Sicherung großer, zusammenhängender Gebiete für die Umweltbildung, die naturorientierte Erholung, Natursportarten und wissenschaftliche Forschung.
  • Mit der Ausweisung neuer Wildnisschutzgebiete - besonders auf Staatsgrund - können der uneffektive Einsatz von Steuergeldern in beachtlicher Höhe und erhebliche Umweltschäden durch intensive Landbewirtschaftung auf nicht geeigneten Standorten beendet werden. Auf vielen Standorten ist wegen der starken Hangneigung, der Lage in Überschwemmungsbereichen oder wegen zu schlechter Böden eine intensive Land- und Forstwirtschaft nur durch hohe Subventionen und fehlende Anrechnung der Umweltschäden möglich.


Aus Wirtschaftswäldern können dann wieder Urwälder werden, aus Kanälen frei fließende Flüsse mit Überschwemmungsgebieten, Kiesinseln und Auwäldern und aus gepflegtem Offenland ein Mosaik aus Urwald und durch Feuer bzw. Tiere (Rothirsch, Elch, Biber) immer wieder neu geschaffenen Offenstellen.

Geeignete Flächen:


Deutschland verfügt neben den bereits erwähnten Nationalparken über folgende große Flächen, in denen Land- und Forstwirtschaft stellenweise nicht sinnvoll oder möglich ist und in denen sich daher Wildnisbereiche anbieten: Wattenmeer, Hochlagen der Alpen, ehemalige Truppenübungsplätze, Kies- und Braunkohleabbauflächen, Überschwemmungsgebiete der Flüsse, Steillagen der Mittelgebirge.

Dabei wird sich eine völlig unbeeinflusste Wildnisentwikklung in der Regel auf Kernzonen entsprechender Schutzgebiete beschränken, in den Randbereichen sind dann ökonomisch und ökologisch sinnvolle Nutzungen möglich.


Weitere Informationen:
> Volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile durch Naturschutz: Warum Naturschutz ? - Broschüre des Bundesamtes für Naturschutz, kostenlos. Email info@bfn.de, Tel. 0228/8491-280.
> Schutz der biologischen Vielfalt: Biologische Vielfalt -Broschüre des Bundesamtes für Naturschutz, kostenlos. Email: info@bfn.de, Tel. 0228/8491-280.
> Grundsatzprogramm für den Naturschutz in Deutschland: Naturschutz in Deutschland, Ziele und Handlungsansätze zum Schutz der biologischen Vielfalt - Broschüre des Naturschutzbundes Deutschland, kostenlos.
Email: Nabu@nabu.de, Tel. 0228/4036-0

Konzept

"Imagewerbung für den Naturschutz"
(Kurzfassung)


Bilanzen des Naturschutzes enden - besonders in Deutschland - sehr oft nicht mit naturschutzfachlichen Forderungskatalogen, sondern mit einem Plädoyer für eine attraktivere Öffentlichkeitsarbeit. So lautet zum Beispiel die Quintessenz eines entsprechenden Beitrages von Dr. Jochen Tamm in der Zeitschrift Nationalpark (3/03, "Wo stehen wir im Naturschutz"): "Der Naturschutz braucht mehr Freunde". Diese Erkenntnis ist natürlich nicht neu und wird in den Gremien und bei Tagungen der Naturschutzverbände seit Jahrzehnten diskutiert.

In den meisten Fällen entstehen aus solchen Strategiediskussionen aber nicht neue, zielgruppenorientierte Ansätze für die Öffentlichkeitsarbeit im Sinne einer "Imagewerbung für den Naturschutz". Stattdessen werden alle Ressourcen auf die Vereins- und Spendenwerbung konzentriert. Solche Ansätze sollen den Adressaten zum Eintritt in den eigenen Verein, zum Spenden oder zur Einrichtung eines Vermächtnisses animieren.

Gleichzeitig werden die ureigensten Werbemotive der Naturschutzszene oft der Wirtschaft überlassen - so werben Stadtwerke, Tabakkonzerne und Brauereien mit beeindruckenden Tiermotiven und Naturlandschaften und haben so große Erfolge in der Öffentlichkeitsarbeit.

Ziel des Projektes "Imagekampagne für den Naturschutz" ist es daher, bisher vernachlässigte Zielgruppen anzusprechen. Sie sollen ein positives Bild der Naturschutzszene als erfolgreiche, schlagkräftige Akteure erhalten. Gleichzeitig sollten so auch die durchaus vorhandenen Erfolge der Naturschutzorganisationen viel offensiver und selbstbewusster verkauft werden.

Sprache und Aufbereitung der Botschaften mit attraktiven Naturbildern sollten sich also an den jeweiligen Zielgruppen und nicht an der eigenen "Szene" orientieren. Über die Homepage www.umweltstiftung.com erhalten Interessenten weitere Informationen über das Projekt und können über entsprechende links die Projektpartner sowie die flächendeckend organisierten Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Naturschutzbund Deutschland ansprechen.

Claus Obermeier