Naturschutz in der Kulturlandschaft

- Der Naturschutz verfolgt in der Kulturlandschaft andere Ziele als in Wildnisbereichen.

- Viele attraktive Blumen und Tierarten kommen in Deutschland nur auf bewirtschafteten Flächen vor.

- In Deutschland würden ohne menschliche Eingriffe fast überall Bäume und Sträucher wachsen. Im Vordergrund eine Mähwiese, im Hintergrund ungestörte Naturentwicklung mit aufkommenden Gehölzen.
Im Rahmen unserer Initiative "Naturschutz ist erfolgreich…" möchten wir Ihnen mit den Infoblättern zu den Themen "Wildnisschutz" und "Naturschutz in der Kulturlandschaft" einen Überblick über die wichtigsten Ziele des Naturschutzes in Deutschland geben und einige häufig gestellte Fragen beantworten. Sie richten sich ausdrücklich nicht an die Naturschutzszene, sondern an interessierte Bürger, Politiker und Medienvertreter und vermitteln die Positionen der Gregor Louisoder Umweltstiftung.
Zunächst einmal handelt es sich bei dem Wort Naturschutz um einen Sammelbegriff, unter dem alle möglichen Aktivitäten und Strategien zusammengefasst werden. Er wird von verschiedenen Naturnutzern (Jäger, Fischer, Landwirte, Förster) für ihre Zwecke interpretiert. Außerdem wird Naturschutz oft mit den Zielen des technischen Umweltschutzes verwechselt. Dies führt immer wieder zu Irritationen, da so die Ziele des "Naturschutzes" unklar erscheinen oder sich sogar scheinbar widersprechen können.
Insbesondere verfolgt der Naturschutz zwei unterschiedliche Ansätze für die Kulturlandschaft und Wildnisgebiete: Auf von Menschen besiedelten und bewirtschafteten Flächen (Kulturlandschaft) gelten andere Ziele als in Gebieten, in denen die Natur Vorrang hat und sich ungestört entwickeln soll (Wildnis).
Gründe für den Schutz der Kulturlandschaft
In besiedelten und meist land- oder forstwirtschaftlich genutzten Gebieten ("Kulturlandschaft") soll die in den letzten Jahrhunderten vom Menschen geschaffene Landschaft mit ihren umweltverträglichen Wirtschaftsformen, Tieren und Pflanzen erhalten werden. Dafür gibt es unter anderem folgende Gründe (siehe "weitere Informationen"):
- Erhalt von Erholungslandschaften und Kulturdenkmälern
- Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel mit möglichst geringen Umweltschäden durch eine ökologisch vertretbare Landwirtschaft
- Erhalt der bäuerlichen Siedlungs- und Sozialstruktur
- Schutz von Tieren und Pflanzen der offenen Landschaft (Blumenwiesen mit Orchideen, in Wiesen brütende Vogelarten).
Artenschutz
Die meisten Tier- und Pflanzenarten der offenen Landschaft sind im Zuge der Landbewirtschaftung nach Deutschland eingewandert. Wird die Bewirtschaftung mit Mähmaschinen oder dichtem Viehbesatz eingestellt, kommt unter den derzeitigen Klima- und Bodenverhältnissen meist sehr schnell Busch- und Baumbestand auf, und sie verschwinden wieder.
Landschaftspflege
Ob es sinnvoll und möglich ist, alle heute mit hohem Einsatz an Steuergeldern (über Agrarsubventionen und Förderprogramme) und Energie (über Dieselverbrennung in der Landschaftspflege) bewirtschafteten Flächen auch in Zukunft auf diese Weise zu pflegen, ist fraglich. Während dies in manchen Fällen unumstritten ist, kann in anderen Fällen die Umstellung auf Beweidung, die Aufforstung oder die Ausweisung als Wildnisentwicklungsfläche (siehe "Wildnisschutz") aus Sicht des Naturschutzes und ökonomisch sinnvoller sein.
Strategie
Die Kulturlandschaft blieb nie über einen längeren Zeitraum in einem bestimmten Zustand, sondern war von einem dynamischen Wandel und der Abfolge verschiedener Bewirtschaftungsformen und deren Mischungen (Wildnis, Acker, Grünland, Wald, Waldweide, Brache, Feuchtgebiete) geprägt. Sie ist also ein Spiegel der technischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Anforderungen. Heute wird die Art der Landnutzung hauptsächlich durch die Ausgestaltung von Förderzahlungen bzw. finanzielle Anreize für die Landwirtschaft bestimmt.Ein "Einfrieren" der Landschaft im heutigen Zustand kann daher nicht die Vorgabe des Naturschutzes sein, vielmehr müssen klare Ziele wie zum Beispiel die Durchsetzung einer umweltverträglichen Landwirtschaft oder der Schutz von bestimmten Lebensräumen die Agenda bestimmen.
Weitere Informationen:
> Volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile durch Naturschutz: Warum Naturschutz ? - Broschüre des Bundesamtes für Naturschutz, kostenlos. Email info@bfn.de, Tel. 0228/8491-280.
> Schutz der biologischen Vielfalt: Biologische Vielfalt -Broschüre des Bundesamtes für Naturschutz, kostenlos. Email: info@bfn.de, Tel. 0228/8491-280.
> Grundsatzprogramm für den Naturschutz in Deutschland: Naturschutz in Deutschland, Ziele und Handlungsansätze zum Schutz der biologischen Vielfalt - Broschüre des Naturschutzbundes Deutschland, kostenlos.
Email: Nabu@nabu.de, Tel. 0228/4036-0
Konzept
"Imagewerbung für den Naturschutz"
(Kurzfassung)
Bilanzen des Naturschutzes enden - besonders in Deutschland - sehr oft nicht mit naturschutzfachlichen Forderungskatalogen, sondern mit einem Plädoyer für eine attraktivere Öffentlichkeitsarbeit. So lautet zum Beispiel die Quintessenz eines entsprechenden Beitrages von Dr. Jochen Tamm in der Zeitschrift Nationalpark (3/03, "Wo stehen wir im Naturschutz"): "Der Naturschutz braucht mehr Freunde". Diese Erkenntnis ist natürlich nicht neu und wird in den Gremien und bei Tagungen der Naturschutzverbände seit Jahrzehnten diskutiert.
In den meisten Fällen entstehen aus solchen Strategiediskussionen aber nicht neue, zielgruppenorientierte Ansätze für die Öffentlichkeitsarbeit im Sinne einer "Imagewerbung für den Naturschutz". Stattdessen werden alle Ressourcen auf die Vereins- und Spendenwerbung konzentriert. Solche Ansätze sollen den Adressaten zum Eintritt in den eigenen Verein, zum Spenden oder zur Einrichtung eines Vermächtnisses animieren.
Gleichzeitig werden die ureigensten Werbemotive der Naturschutzszene oft der Wirtschaft überlassen - so werben Stadtwerke, Tabakkonzerne und Brauereien mit beeindruckenden Tiermotiven und Naturlandschaften und haben so große Erfolge in der Öffentlichkeitsarbeit.
Ziel des Projektes "Imagekampagne für den Naturschutz" ist es daher, bisher vernachlässigte Zielgruppen anzusprechen. Sie sollen ein positives Bild der Naturschutzszene als erfolgreiche, schlagkräftige Akteure erhalten. Gleichzeitig sollten so auch die durchaus vorhandenen Erfolge der Naturschutzorganisationen viel offensiver und selbstbewusster verkauft werden.
Sprache und Aufbereitung der Botschaften mit attraktiven Naturbildern sollten sich also an den jeweiligen Zielgruppen und nicht an der eigenen "Szene" orientieren. Über die Homepage www.umweltstiftung.com erhalten Interessenten weitere Informationen über das Projekt und können über entsprechende links die Projektpartner sowie die flächendeckend organisierten Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Naturschutzbund Deutschland ansprechen.
Claus Obermeier