Rettet das Isental – Schluss mit der Heuchelei im Artenschutz

Viele Menschen denken beim Artenschutz an Pandabären, Blauwale oder seltene Affenarten im Amazonas. Schnell wird auch Unverständnis geäußert für Brandrodungs-Wanderfeldbau, selbst wenn dies nur geschieht, damit arme Familien ihren Lebensunterhalt sichern können. Weit weniger präsent in den Medien ist die Tatsache, dass das Artensterben nicht nur ein Phänomen weit entfernter Lebensräume ist. Dabei nimmt das Artensterben auch in Bayern bereits immense Ausmaße an. Es kann nicht deutlich genug betont werden: Artenschutz beginnt vor unserer Haustüre.
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Die permanente Zerschneidung von Naturräumen muss gestoppt werden. Denn diese Zerstückelung der Landschaft führt dazu, dass funktionale Lebensräume und Beziehungen von Populationen zerstört werden. Die Folge ist die schleichende, jedoch irreversible Auslöschung der Art.

Ein eklatantes Beispiel ist die Planung der A 94 im Bereich Dorfen (Oberbayern). Die von Naturschützern und Bürgerinitiativen geforderte Alternative, also eine Lösung im Bereich der bestehenden B 12 (Trasse Haag) würde fast keine neue Zerschneidung mit sich bringen. Durch die Isentalautobahn (Trasse Dorfen) würde hingegen ein großer, noch weitgehend intakter Naturraum neu zerschnitten, mit all den verheerenden Folgen für Flora und Fauna. Es geht um mehrere hundert Quadratkilometer, die derzeit noch frei von großen Infrastruktureinrichtungen sind. Birgit Förster von der Aktionsgemeinschaft gegen die A 94: „Schon dem Laien zeigt sich damit, welch riesiger Unterschied zwischen der Neuzerschneidung durch eine Isentalautobahn und dem Ausbau der B 12 besteht. Zumal die B 12 im Fall der Isentalautobahn ja nicht renaturiert würde, sondern als leistungsfähige Bundesfernstraße fortbestehen soll.

Anders als bei der Trasse Haag (B 12) würden bei der Isentalautobahn sogar zwei europarechtlich geschützte Naturschutzgebiete geschnitten, ein Gebiet sogar 4 mal und mittig sowie ein unzerschnittener 1500 Hektar großer artenreicher und naturnaher Wald mittig überbaut. Allein diese Zerstörung stellt schon eine brutale Missachtung des europäischen Schutzgedankens dar. Noch dramatischer wird es bei der Betrachtung einzelner Arten.

Auf der Trasse Haag kommt es zu keiner einzigen hohen Belastung von europäisch geschützten Arten bzw. deren Populationen. Auf der Trasse Dorfen wird jedoch im Gegensatz hierzu ein Bestand des deutschlandweit vom Aussterben bedrohten kriechenden Scheiberichs (Apium repens) und ein Lebensraum einer Schmetterlingspopulation vom Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Glaucopsyche nausithous) mittig überbaut. Beides sind Arten, für deren Erhalt Deutschland innerhalb Europas eine besondere Verantwortung zukommt. Darüber hinaus wird ein großer unzerschnittener Waldlebensraum für den seltenen Grauspecht (Picus canus) und der Gelbbauchunke (Bombina variegata), für deren Erhalt wiederum Deutschland eine besondere europäische Verantwortung hat, mittig durchschnitten. Jakob Baumgartner, Sprecher der Aktionsgemeinschaft gegen die A 94: „Es ist ein Skandal. Die Bayerische Staatsregierung, die für die Trassenwahl zuständig ist, singt auf der einen Seite das hohe Lied vom Artenschutz, aber wenn es konkret wird, will sie genau das Gegenteil tun. Schluss mit der Heuchelei – wer auf Artenschutzkonferenzen dabei ist, darf nicht im Isental den Artenmetzger spielen.“

Mit welcher Verbissenheit an der Trasse Dorfen (Isental) festgehalten wird, zeigt sich schließlich noch an einem anderen Beispiel. Um den strengen europäischen Maßstab beim Fledermausschutz einhalten zu können, hat sich die Autobahndirektion im Prozess verpflichtet, nötigenfalls zusätzlich 75 bis 100 Millionen Euro für eine Einhausung bei Schwindkirchen zu investieren. Allein dies würde die Baukosten der Trasse Dorfen (Isental) um sage und schreibe 30 Prozent steigern. Bei der Trasse Haag (B 12) würde sich ein derartiges Problem nicht stellen.

Weitere Informationen:
Aktionsgemeinschaft gegen die A94, rita.rott@a94-nie.de, www.a94-b12.de

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