Naturschutz - "was wollen die eigentlich ?"

Im Rahmen unserer Initiative "Naturschutz ist erfolgreich…" möchten wir Ihnen mit unseren Flyern einen Überblick über die wichtigsten Ziele des Naturschutzes in Deutschland geben und einige häufig gestellte Fragen beantworten. Sie richten sich ausdrücklich nicht an die Naturschutzszene, sondern an interessierte Bürger, Politiker und Medienvertreter und vermittelt die Positionen der Gregor Louisoder Umweltstiftung.

Folgende Ausgaben sind bisher erschienen:
• Naturschutz in der Kulturlandschaft
• Wildnisschutz
• Herzlich willkommen - Bär, Wolf, Luchs

Dieses Infoblatt ist aus Anlass der Debatte um den nach Bayern eingewanderten Braunbären "Bruno" entstanden und gibt die Position der Gregor Louisoder Umweltstiftung zum Thema wieder.


Mythen, Fabeln, Lügengeschichten

Kaum ein Thema des Naturschutzes sorgt immer wieder für so viel Aufregung wie Wildtiere, wenn sie - scheinbar oder tatsächlich - den Menschen beeinflussen. Sei es als Jagdkonkurrent (Luchs, Wolf) oder angebliche Gefahr für den Menschen (Braunbär). Dabei werden oft längst widerlegte Fabeln, Mythen und Lügengeschichten immer wieder aufgewärmt.

Allerdings sollte man genau hinschauen, wer sich zu solchen Themen äußert. Viele Personen - auch aus dem Umfeld von Umweltverbänden, Zoos und Behörden - verfügen nicht über die nötige Fachkompetenz und Erfahrung, um zu den meist komplexen Themen fundiert Position beziehen zu können.

Dabei hält die wildbiologische Forschung und diverse Projekte zum Schutz und Management von Wildtieren aus Deutschland und Europa genügend Informationen und Erfahrungswerte bereit, um sich dem Thema fundierter zu nähern und für (fast) alle Fragestellungen eine Antwort zu finden.


Richtig oder falsch? Bären und Wölfe sind gefährlich und müssen daher im abgeschossen werden.

Braunbären und Wölfe sind Fleischfresser, der Mensch gehört aber nicht zur ihren Beutetieren. Daher kommt es auch in den Gebieten, in denen Menschen, Bären und Wölfe in großer Zahl im gleichen Gebiet zusammen leben, nie zu entsprechenden Angriffen. Bären und Wölfe meiden normalerweise den Menschen und weichen ihm aus. Allerdings können Bären wie viele andere Tierarten (Rinder, Hirsche, Schwäne, Haushunde etc.) unter bestimmten Umständen den Menschen angreifen, etwa zur Verteidigung der Jungtiere oder zur Erlangung eines Fluchtweges.

In Europa gibt es mehrere Gebiete mit hoher Bärendichte und Besiedlung durch den Menschen bzw. Touristenbesuch (Kroatien, Italien). Dort sind in den letzten Jahren keine ernsthaften Angriffe bekannt geworden. Die wenigen publizierten Fälle sind meistens Jahrzehnte alt und Jagdunfälle, bei denen Hunde auf Bären gehetzt oder sie angeschossen wurden und es dabei zu Verletzungen kam. Wer 0 Prozent Risiko will, muss alle potentiell gefährlichen Tiere (Hunde, Hirsche, Rinder, etc.) töten. Im Vergleich zum Risiko, auf dem Weg in ein Naturgebiet im Straßenverkehr schwer verletzt zu werden, scheinen alle angeblichen Gefahren sehr gering zu sein. Als letztes Mittel bei unmittelbarer Gefahr sehen aber alle Managementpläne zu Recht auch den Abschuss von aggressiven Bären vor.


Richtig oder falsch? Wildtiere wie Bär, Wolf und Luchs können in Deutschland nicht mehr leben, weil es keine entsprechenden Lebensräume mehr gibt.

Bär, Wolf und Luchs lebten in Deutschland und den anderen mitteleuropäischen Lebensräumen immer auch in vom Menschen besiedelten Gebieten und nicht nur in "Urwäldern" - sie gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr. Ihr Aussterben kann in den geeigneten Gebieten nicht mit der Veränderung von Lebensräumen begründet werden, vielmehr wurden sie gezielt mit Fallen, Giftködern und Abschuss ausgerottet. Zurzeit wandern sie wegen strenger Schutzvorschriften in Deutschland und den Nachbarländern wieder in ihre früheren Lebensräume ein. Bär, Wolf und Luchs stellen jeweils spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum und haben unterschiedliches Flucht- und Raumnutzungsverhalten. Dies führt dazu, dass besonders sicht besiedelte oder von Verkehrswegen zerschnittene Gebiete eher ungeeignet sind. Alle drei Arten überqueren aber in ihren mitteleuropäischen Verbreitungsgebieten auch stärker befahrende Strassen, Bahnlinien und Wege und nähern sich oft auch menschlichen Siedlungen.

Insgesamt können in Deutschland also Luchs und Wolf sowie Bär (im Verbund mit den angrenzenden Bärenlebensräumen in Österreich, Italien und der Schweiz) leben.


Richtig oder falsch? Wildtiere wie Wolf, Luchs oder Bär richten Schäden an.

In der Vergangenheit wurden diese Tierarten ausgerottet oder stark dezimiert, um wirtschaftliche Interessen einzelner Bevölkerungsgruppen zu schützen. Wolf, Braunbär und Luchs standen den Jagdinteressen und einer Intensivierung der Viehzucht im Wege. Fischotter, Fischfressende Vogelarten sowie Robben wurden als "Fischereischädling" verfolgt, anderen Arten im Zuge der Fleisch- oder Trophäenjagd ausgerottet. In allen Fällen lag dem eine vordemokratische Rechtsordnung zu Grunde, in der die Verfügungsgewalt über Wildtiere und Fischbestände ausschließlich bei den Grund- und Jagdrechtsinhabern lag. Dies hat sich glücklicherweise geändert. Bär, Wolf und Luchs sind Teil unseres nationalen Naturerbes, teilweise unterliegen sie strengem europäischen und nationalen Naturschutzrecht. Ein Abschuss ist nur im Rahmen der Gefahrenabwehr bei Gefahr für den Menschen zulässig. Bär, Wolf und Luchs nutzen in ihren europäischen Verbreitungsgebieten Nutztiere (besonders Schafe und in Gehegen gehaltene Hirsche) als Nahrung, wenn diese nicht professionell geschützt werden, wie dies in den meisten Gebieten mit Bär-und Wolfsvorkommen noch selbstverständlich ist. Folgende Maßnahmen können Verluste meistens verhindern: Hütehunde, Elektrozäune, professionelle Behirtung. Richten Wildtiere Schäden an Nutztieren an, müssen diese im Rahmen der jeweiligen Rechtslage vom Staat ausgeglichen werden.

"Naturschutz in der Kulturlandschaft"

"Herzlich willkommen
Bär, Wolf, Luchs"

"Imagewerbung für den Naturschutz"
(Kurzfassung)

Bilanzen des Naturschutzes enden - besonders in Deutschland - sehr oft nicht mit naturschutzfachlichen Forderungskatalogen, sondern mit einem Plädoyer für eine attraktivere Öffentlichkeitsarbeit. So lautet zum Beispiel die Quintessenz eines entsprechenden Beitrages von Dr. Jochen Tamm in der Zeitschrift Nationalpark (3/03, "Wo stehen wir im Naturschutz"): "Der Naturschutz braucht mehr Freunde". Diese Erkenntnis ist natürlich nicht neu und wird in den Gremien und bei Tagungen der Naturschutzverbände seit Jahrzehnten diskutiert.

In den meisten Fällen entstehen aus solchen Strategiediskussionen aber nicht neue, zielgruppenorientierte Ansätze für die Öffentlichkeitsarbeit im Sinne einer "Imagewerbung für den Naturschutz". Stattdessen werden alle Ressourcen auf die Vereins- und Spendenwerbung konzentriert. Solche Ansätze sollen den Adressaten zum Eintritt in den eigenen Verein, zum Spenden oder zur Einrichtung eines Vermächtnisses animieren.

Gleichzeitig werden die ureigensten Werbemotive der Naturschutzszene oft der Wirtschaft überlassen - so werben Stadtwerke, Tabakkonzerne und Brauereien mit beeindruckenden Tiermotiven und Naturlandschaften und haben so große Erfolge in der Öffentlichkeitsarbeit.

Ziel des Projektes "Imagekampagne für den Naturschutz" ist es daher, bisher vernachlässigte Zielgruppen anzusprechen. Sie sollen ein positives Bild der Naturschutzszene als erfolgreiche, schlagkräftige Akteure erhalten. Gleichzeitig sollten so auch die durchaus vorhandenen Erfolge der Naturschutzorganisationen viel offensiver und selbstbewusster verkauft werden.

Sprache und Aufbereitung der Botschaften mit attraktiven Naturbildern sollten sich also an den jeweiligen Zielgruppen und nicht an der eigenen "Szene" orientieren. Über die Homepage www.umweltstiftung.com erhalten Interessenten weitere Informationen über das Projekt und können über entsprechende links die Projektpartner sowie die flächendeckend organisierten Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Naturschutzbund Deutschland ansprechen.

Claus Obermeier

 

 

info@umweltstiftung.com