Bayern nimmt im Wildtierschutz bisher eher eine Sonderrolle ein - während in anderen deutschen Bundesländern und vielen Urlaubsländern der Schutz von Wildtieren vom Staat aktiv unterstützt wird, gibt es in Bayern bisher kaum ambitionierte Projekte. Die Einwanderung von Bär, Wolf und Luchs in ihre ursprüngliche Heimat bietet die einmalige Chance, Anschluss an die internationalen Bemühungen zum Schutz der Biodiversität zu finden. Denn während wir von anderen Staaten und ihren Bürgern enorme Anstrengungen und wirtschaftliche Einbußen zum Schutz bedrohter Arten einfordern, sieht die entsprechende Bilanz bei uns bescheiden aus.
Mythen, Fabeln, Lügengeschichten
Kaum ein Thema des Naturschutzes sorgt immer wieder für so viel Aufregung wie Wildtiere, wenn sie - scheinbar oder tatsächlich - den Menschen beeinflussen. Sei es als Jagdkonkurrent (Luchs, Wolf) oder angebliche Gefahr für den Menschen (Braunbär). Dabei werden oft längst widerlegte Fabeln, Mythen und Lügengeschichten immer wieder aufgewärmt.
So sollte man genau hinschauen, wer sich zu solchen Themen äußert. Viele Personen verfügen nicht über die nötige Fachkompetenz und Erfahrung, um zu den meist komplexen Themen fundiert Position beziehen zu können. Oft stehen wirtschaftliche Eigeninteressen im Vordergrund. Dabei halten die wildbiologische Forschung und diverse Projekte zum Schutz und Management von Wildtieren aus Deutschland, Europa und Übersee genügend Informationen und Erfahrungswerte bereit, um sich dem Thema fundierter zu nähern und für (fast) alle Fragestellungen eine Antwort zu finden.
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Richtig oder falsch? Wildtiere wie Bär, Wolf und Luchs können in Deutschland nicht mehr leben, weil es keine entsprechenden Lebensräume mehr gibt. |
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Bär, Wolf und Luchs lebten in Deutschland und den anderen mitteleuropäischen Lebensräumen immer auch in vom Menschen besiedelten Gebieten und nicht nur in "Urwäldern" - sie gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr. Ihr Aussterben kann in den geeigneten Gebieten nicht mit der Veränderung von Lebensräumen begründet werden, vielmehr wurden sie gezielt mit Fallen, Giftködern und Abschuss ausgerottet. Zurzeit wandern sie wegen strenger Schutzvorschriften in Deutschland und den Nachbarländern wieder in ihre früheren Lebensräume ein.
Bär, Wolf und Luchs stellen jeweils spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum und haben unterschiedliches Flucht- und Raumnutzungsverhalten. Besonders dicht besiedelte Areale sind als Lebensräume langfristig eher ungeeignet. Alle drei Arten überqueren aber in ihren mitteleuropäischen Verbreitungsgebieten auch stärker befahrene Straßen, Bahnlinien und Wege und nähern sich oft auch menschlichen Siedlungen. Wolf und Bär leben in unseren Nachbarländern Österreich, Schweiz und Italien ebenfalls überwiegend in land- und forstwirtschaftlich genutzten Gebieten. Insgesamt können in Deutschland also Luchs und Wolf sowie Bär (im Verbund mit den angrenzenden Bärenlebensräumen in Österreich, Italien und der Schweiz) leben. Weitere Informationen
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Richtig oder falsch? In Bayern leben Problemwölfe (Stand: 22.2.11) |
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Wolfs-Experte Dr. Janosch Arnold von unserem Projektpartner WWF Deutschland dazu: „Die angeblichen Problemwölfe sind noch gar keine und verhalten sich gegenüber Menschen unauffällig. Nutztierherden in unzureichend geschützten Gattern sind nun einmal für Wölfe eine Einladung zum All You Can Eat-Büffet.“ Das Töten von mehreren eingepferchten Beutetieren sei ein normales biologisches Phänomen. „Nur wenn ein Wolf dreistes Verhalten gegenüber Menschen zeigt, wird es problematisch. Jedoch müsse man nun den Nutztierhaltern zur Seite stehen um ein Zusammenleben mit dem Wolf zu ermöglichen und mit Herdenschutzmaßnahmen dafür sorgen, dass keine Spezialisierung auf Nutztiere erfolgt."
Allerdings hat das bayrische Umweltministerium es auch nach vielen Monaten der Wolfspräsenz und des Beratens immer noch nicht geschafft, wirksame Programme, Pläne und Angebote praxisreif umzusetzen, die in unseren Nachbarländern und den meisten Urlaubsländern mit Wolfspräsenz schon lange selbstverständlich sind. Interessengruppen müssen mit Ihren Sorgen und Ängsten ernst genommen werden. |
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Richtig oder falsch? Staatsregierung und Organisationen der Almbauern haben die Entwicklung verschlafen (Stand 22.2.11) |
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Bereits seit Jahren wandern immer wieder Wölfe dank der strengen und erfolgreichen Schutzprogramme in den Nachbarländern nach Bayern ein. In mehreren Bundesländern haben sich bereits Rudel etabliert. Doch während dort und in unseren Nachbarländern die Landesregierungen und die Verbände der Viehzüchter und Almbauern ihre Mitglieder oft schon lange kompetent und engagiert beraten und bei Herdenschutzmaßnahmen zur Seite stehen, war das in Bayern bisher nicht immer der Fall. In Zukunft sind die Organisationen der Viehzüchter und Almbauern gefordert, ihre Mitglieder auf der Basis von Recht und Gesetz über ein Leben mit dem Wolf zu informieren und bei Schutzmaßnahmen und Entschädigungsfragen mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten. Die Staatsregierung muss selbstverständlich ausreichende und unbürokratische Entschädigungsmöglichkeiten bieten. |
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Richtig oder falsch? Bären sind gefährlich und müssen daher abgeschossen werden. |
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Braunbären ernähren sich in Mitteleuropa hauptsächlich von pflanzlicher Nahrung, Kleintieren und Kadavern, reißen vereinzelt aber auch Großtiere. Der Mensch gehört nicht zu ihrem Beutespektrum. Bären meiden normalerweise den Menschen und weichen ihm aus.
Selbstverständlich sind Bären aber keine Schmusetiere - bei einem Angriff können sie den Menschen schwer verletzen. Aggressives Verhalten ist extrem selten, aber insbesondere bei menschlichem Fehlverhalten (zum Beispiel Bedrohung der Jungtiere, Verfolgung) nicht auszuschließen. Daher sehen alle Managementpläne für mitteleuropäische Bärenbestände vor, Tiere ohne eindeutige Scheu vor dem Menschen zu vergrämen.
In Europa gibt es mehrere Bärengebiete mit Besiedlung durch den Menschen bzw. Touristenbesuch (Kroatien, Italien). Dort sind in den letzten Jahren bei wild – also ohne Verlust der Scheu - lebenden Bären keine ernsthaften Angriffe bekannt geworden. Die wenigen publizierten Fälle haben meistens schweres menschliches Fehlverhalten (Anfütterung der Bären, Jagdunfälle etc.) als Hintergrund.
Wer 0 Prozent Risiko will, muss alle potentiell gefährlichen Tiere (Hunde, Hirsche, Rinder, etc.) töten. Im Vergleich zum Risiko, auf dem Weg in ein Naturgebiet im Straßenverkehr schwer verletzt zu werden, scheinen alle angeblichen Gefahren sehr gering zu sein. Als letztes Mittel bei unmittelbarer Gefahr sehen aber alle Managementpläne zu Recht auch den Abschuss von aggressiven Bären vor. Weitere Informationen
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Richtig oder falsch? Wildtiere wie Wolf, Luchs oder Bär richten Schäden an. |
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In der Vergangenheit wurden diese Tierarten ausgerottet oder stark dezimiert, um wirtschaftliche Interessen einzelner Bevölkerungsgruppen zu schützen. Wolf, Braunbär und Luchs standen den Jagdinteressen und einer Intensivierung der Viehzucht im Wege. Fischotter, fischfressende Vogelarten sowie Robben wurden als "Fischereischädling" verfolgt, andere Arten im Zuge der Fleisch- oder Trophäenjagd ausgerottet. In allen Fällen lag dem eine vordemokratische Rechtsordnung zu Grunde, in der die Verfügungsgewalt über Wildtiere und Fischbestände ausschließlich bei den meist adeligen Grundbesitzern lag.
Dies hat sich glücklicherweise geändert. Bär, Wolf und Luchs sind Teil unseres nationalen Naturerbes, teilweise unterliegen sie strengem europäischen und nationalen Naturschutzrecht. Ein Abschuss ist nur im Rahmen der Gefahrenabwehr bei Gefahr für den Menschen zulässig.
Bär, Wolf und Luchs nutzen in ihren europäischen Verbreitungsgebieten Nutztiere (besonders Schafe, Kleintiere und in Gehegen gehaltene Hirsche) als Nahrung, wenn diese nicht professionell geschützt werden, wie dies in den meisten Gebieten mit Bär- und Wolfsvorkommen noch selbstverständlich ist. Folgende Maßnahmen können Verluste meistens verhindern: Hütehunde, Elektrozäune, professionelle Behirtung.
Richten Wildtiere Schäden an Nutztieren an, müssen diese im Rahmen der jeweiligen Rechtslage vom Staat ausgeglichen werden. Im Kasten „Weitere Informationen“ finden Sie entsprechende Kontaktadressen.
Weitere Informationen
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