Förderpreise
für drei Nachwuchswissenschaftler
Mit den "Förderpreisen Wissenschaft" will die Stiftung Nachwuchswissenschaftler ermutigen, gerade auch Themen und Problemfelder zu bearbeiten, die nicht automatisch eine Industriekarriere oder Begeisterung bei potentiellen Arbeitgebern in der Verwaltung versprechen. "Gerade der Natur- und Umweltschutz braucht in Zukunft mehr denn je qualifizierte und engagierte Wissenschaftler, die nicht nur auf eine möglichst schnelle Karriere in der Industrie starren, sondern sich für eine nachhaltige und ökologische Entwicklung engagieren. Der Grundstein dafür wird spätestens bei der Wahl des Diplomarbeitsthemas gelegt", so Claus Obermeier, Vorstand der Stiftung bei der Vorstellung der Preisträger. Im einzelnen werden die Förderpreise für Abschlussarbeiten in den Studienschwerpunkten Raum-, Stadt- und Verkehrsplanung, Biologie, Geografie, Forst- und Agrarwissenschaften sowie Volkswirtschaft vergeben, weitere Informationen enthält die Ausschreibung (www.umweltstiftung.com >Förderpreise). Die Jury bestand aus Dr. Manuel Schneider (Projektbüro make sense), Dipl. Kaufmann Bernd Louisoder (Stiftungsratsvorsitzender) und Dipl. Geograph Claus Obermeier (Vorstandsvorsitzender). Weitere
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Alles hat seinen Preis - auch die Schönheit und der Artenreichtum einer Landschaft. Wie aber sieht es aus mit der Zahlungsbereitschaft? Wie viel ist die Gesellschaft bzw. jeder einzelne bereit, für den Erhalt der Artenvielfalt und eine naturschutzkonforme Landnutzung auszugeben? Die von Klemens Karkow an der Universität Greifswald angefertigte Diplomarbeit versucht auf diese abstrakten und grundsätzlichen Fragen eine konkrete Antwort zu geben. Oftmals sind es gerade die ertragsschwachen Standorte, denen ein hoher Naturschutzwert und landschaftsästhetischer Reiz zukommt. Durch die Aufgabe der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung ist ein weiterer Artenrückgang v.a. bei Ackerwildkräutern zu befürchten. Wie lässt sich verhindern, dass angesichts einer zunehmenden Weltmarktorientierung der Landwirtschaft die Bewirtschaftung auch auf solchen Flächen beibehalten wird? Ein möglicher Weg, der zur Zeit in Brüssel und Berlin viel diskutiert wird, ist die Kopplung der landwirtschaftlichen Direktzahlungen an ökologische Leistungen. Nur, zu welchem Preis? Welche Wertschätzung innerhalb der Bevölkerung kann die Politik bei der Gestaltung von Förderstrategien als gegeben voraussetzen? Die Arbeit versucht dieser Frage an einem konkreten Beispiel nachzugehen: Auf Rügen wurden 150 Urlauber nach ihrer Wertschätzung für derlei Ackerstandorte befragt, und zwar vis-à-vis eines besonders blütenreichen Ackers. Sie wurden über die landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen informiert, die eine solche Ackerflora erst möglich machen. Konkret wurde nach der Zahlungsbereitschaft der Urlauber gefragt, wenn es darum ginge, auf zehn Prozent der Ackerstandorte in Deutschland eine vergleichbare naturschutzgerechte Nutzung zu erhalten. Die Bewirtschaftung eines solch geringen Prozentsatzes an Fläche, die ohne den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet wird, könnte nach Ansicht von Fachleuten ein Biotopnetz schaffen, das den Erhalt der meisten seltenen Ackerwildkräuter gewährleisten würde. Das Ergebnis
der Befragung überrascht: Die ermittelte Zahlungsbereitschaft (44
Euro pro Haushalt als Mittelwert aller Befragten) übersteigt bei
weitem den Bedarf für die Finanzierung einer naturschutzgerechten
Bewirtschaftung, der lediglich bei elf Euro pro Haushalt und Jahr läge.
Das bedeutet, dass die Nachfrage in der Bevölkerung die Kosten für
die Vergütung einer extensiven, naturschutzgerechten Landnutzung
problemlos abdecken könnte - zumindest rein rechnerisch (denn wie
ein solcher Finanztransfer konkret aussehen könnte, wird in der Arbeit
von Klemens Karkow nicht näher untersucht).
Die an der Universität Münster erstellte Diplomarbeit von Holger Loritz untersucht den Einfluss der Landnutzungsdynamik auf die Qualität der Habitate des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, eines Tagfalters, der als besonders gefährdet gilt und in die Rote Liste aufgenommen wurde. Der Hauptlebensraum dieses Schmetterlings (mesophiles Grünland) besteht nur dann, wenn die Vegetation durch Eingriffe wie Mahd oder Beweidung regelmäßig gestört wird. Somit spielt die menschliche Landnutzung eine zentrale Rolle für den Fortbestand des untersuchten Tagfalters. Auf einer Fläche von 66 km2 bei Landau (Pfalz) wurde das Vorkommen der Wirtspflanze des Falters (Großer Wiesenknopf) flächendeckend und über einen Zeitraum von dreieinhalb Monaten erfasst. Der Blühzeitraum der Wirtspflanze hängt direkt von Zeitraum und der Frequenz der "Störung" bzw. Nutzung (i.d.R.: Mahd) ab. Dadurch wird wiederum das Habitat und Vorkommen des Bläulings beeinflusst. Ein besonderes Ergebnis der Arbeit ist der Nachweis, dass der Bläuling bevorzugt kleinere Flächen mit geringerer Störungsfrequenz und -intensität besiedelt, während die Wirtspflanze größere Flächen mit höherer Störungsfrequenz und -intensität bevorzugt. Umso entscheidender ist daher der Zeitpunkt der "Störung" (Mahd). Die Arbeit untersucht detailliert die Eignung der verschiedenen Landnutzungstypen (Brache, Mähweide, Weide) als Habitate für den Bläuling und entwickelt ansatzhaft bestimmte Nutzungsauflagen. Die Diplomarbeit besticht durch ihr methodisch sehr reflektiertes Vorgehen (etwa bei der Entwicklung der verschiedenen Klassifizierungsschemata und bei den Felderfassungen). Die Studie ist sehr klar aufgebaut und von wissenschaftlich hohem Niveau. Aus den Ergebnissen lassen sich erste praxisrelevante Rückschlüsse für ein Weidemanagement bzw. die Optimierung der Mahd-Zeitpunkte ableiten. Auch wenn noch weitergehende Untersuchungen der verschiedenen Habitateinflüsse erforderlich sind, bietet die Arbeit ein solides wissenschaftliches Fundament, um die Landnutzung den Habitatansprüchen des vom Aussterben bedrohten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings anzupassen.
Mit der vorliegenden Diplomarbeit von Anne Schierenberg, die an der Technischen Universität Berlin angefertigt wurde, liegt erstmals eine systematische Untersuchung zu diesem Thema vor. Am Beispiel der Naturwacht Brandenburg, der die Betreuung der 15 Brandenburger Großgebieten obliegt, geht die Arbeit der Frage nach, wie man auch hierzulande ein naturschutzbezogenes Ehrenamt ohne Vereins- und Behördenbindung etablieren und in die bestehende Naturschutzarbeit in Großschutzgebieten integrieren kann. Zu diesem Zweck wurde zunächst der Status quo innerhalb der Naturwacht Brandenburg erhoben, und zwar mittels Auswertung vorliegender Behördendaten, der Befragung von Betroffenen beider Seiten (Freiwillige und Hauptamtliche) sowie durch die Durchführung und Auswertung zweier Workshops. Auf dieser Basis entwickelt die Autorin konkrete Vorschläge, wie durch organisatorische und strukturelle Veränderungen die Kooperation mit Freiwilligen innerhalb der Naturwacht Brandenburg verbessert werden kann. Die Arbeit ist in hohem Maße an der Umsetzung der Ergebnisse orientiert, indem sie konkrete Arbeitshilfen für den Aufbau eines Freiwilligenprogramms erstellt. Seit April 2003 läuft ein Projekt zur Integration von Freiwilligen in die Arbeit der "Naturwacht Brandenburg", an dem Anne Schierenberg mitarbeitet. Sollten die Erfahrungen in der Naturwacht Brandenburg positiv verlaufen, wäre eine Übertragung der Projektidee auf andere Bundesländer denkbar und wünschenswert. Die Studie hat daher nicht nur regionale Relevanz. Sie greift vielmehr ein Thema auf, das für den Fortbestand einer qualifizierten Naturschutzarbeit in den Großschutzgebieten Deutschlands von wachsender Bedeutung sein wird.
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| © Gregor Louisoder Umweltstiftung 2007 |